Schorsch und das überhitzte Heizhaus – Mit Dampf, Witz und Schraubenschlüssel
Schorsch, seines Zeichens Chef-Dampfregler und Ehrenheizer, schlüpfte wie jeden Morgen in seine blaue Latzhose, schnappte sich zwei Stück Zwetschkenbrot – sorgfältig in Butterbrotpapier gewickelt – und marschierte schnurstracks ins Heizhaus des MBC Sankt Florian. „Heute wird’s muckelig!“, verkündete er fröhlich, als wollte er die ohnehin tropischen Temperaturen noch herausfordern.
Das Heizhaus war sein Heiligtum. Dort dampfte es, zischte es – und wenn man nachts ganz leise war, konnte man die Modelleisenbahnen über ihre Gleise flüstern hören. Meist waren es Beschwerden über die Hitze – ein kleines Schienenballett aus Jammer und Charme.
An diesem Samstag war jedoch alles anders. Der neue Thermostat spielte verrückt: statt der gewohnten 22 °C strahlten stolze 48 °C von der Anzeige. Schorsch stutzte. „Entweder hab ich den Heizmodus auf ‚Sauna‘ gestellt – oder die Lok verwandelt sich gerade in einen Pizzaofen.“
Doch wo andere schwitzten, wurde Schorsch kreativ. Mit einem Gartenschlauch, ein paar Kabelbindern und einer Portion Improvisation baute er ein Lüftungssystem mit Stil – ganz à la MBC. „Ab heute wird hier nicht nur geheizt – wir klimatisieren mit Charakter!“, rief er, während die Salatschüssel stolz ihren Platz als Luftverteiler einnahm.
Die Mini-Tanne vom letzten Abenteuer stand als Weihnachtsdeko auf dem Heizhausschrank, und aus einem ausgedienten Karton war ein Liegestuhl geworden. Am Abend saß Schorsch darin, wedelte sich Luft mit einem Fahrplan von 1997 zu und murmelte zufrieden: „Im MBC wird nicht nur gefahren – hier wird auch geschwitzt mit Leidenschaft.“

Die hohe Kunst der Lokwartung
Als sich die Hitze endlich verzogen hatte und der Schlauchventilator sein Werk getan, widmete sich Schorsch seiner wahren Berufung: der Pflege der Dampfloks.
Denn bevor eine Lok losdampfen darf, braucht sie Zuwendung, Hingabe – und jemanden, der das Maschinenherz versteht. Und wer könnte das besser als Schorsch, der Lokflüsterer von Sankt Florian?
Aus seinem Werkzeugkoffer – ein ehemaliger Sanitätskasten, jetzt mit Öl, Fett und Schraubenschlüsseln gefüllt – holte er sein Instrumentarium. Dann trat er vor „Dampfi“, seine treue Lieblingslok, und erklärte mit gewichtiger Stimme:
„Dampfloks sind wie alte Gentlemen. Man schaltet sie nicht einfach an – man wartet sie, man ehrt sie. Mit Schraubenschlüssel und Gefühl.“
Schorschs Wartungsritual für Dampfloks
Feuer machen: Schorsch schichtet die Steinkohle wie ein Spitzenkoch seine Zutaten – präzise, liebevoll, mit Blick für das perfekte Glühen.
Wasser auffüllen: Die Lok ist durstig – aber nicht gierig. Tropfengenau wird der Kessel gefüllt, bis Dampfi wohlig gurgelt.
Schmieren, prüfen, horchen: Jedes Ventil erhält einen Tropfen Öl wie ein Musikinstrument seine Pflege. Schorsch horcht – manchmal schwört er, die Lok rezitiert heimlich Heinrich Heine.
Druck prüfen: Wenn der Manometer tänzelnd den grünen Bereich betritt, lächelt Schorsch zufrieden: „Jetzt hat sie Dampf unter dem Deckel – Zeit für große Fahrt.“
Die gesamte Prozedur dauert rund 45 Minuten. Für andere wäre das Routine. Für Schorsch ist es meditative Hingabe in Dampf und Eisen.
Als die Sonne das Heizhaus in warmes Gold tauchte, saß er wieder in seinem Karton-Liegestuhl. Die Mini-Tanne blinkte treu, Dampfi schnaufte auf Gleis 2 – und Schorsch, mit Ruß auf der Stirn und Stolz im Herzen, seufzte:
„Man kann vieles schrauben im Leben – aber eine Dampflok zu warten, das ist Poesie aus Rauch, Stahl und Seele.“