Die unerreichbare Ikone: Die BR 118 von Hehr und das Märklin‑Handmuster
Es gibt Modelle, die selbst für erfahrene Sammler unerreichbar bleiben. Die BR 118 von Hehr gehört zweifellos zu diesen seltenen Stücken. Ihre Geschichte beginnt nicht in den 1980er‑Jahren, sondern deutlich früher – in einer Zeit, in der Märklin noch an einer ganzen Reihe neuer Elektrolokomotiven arbeitete, die jedoch nie über das Stadium eines Handmusters hinaus gelangten.
Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg entstand im Märklin‑Werk ein einzigartiges Handmuster, das eine schwere Elektrolokomotive der Baureihe E 18 beziehungsweise E 19 zum Vorbild hatte. Diese Lok war als mögliche Ergänzung des Spur‑0‑Programms gedacht, doch die politischen und wirtschaftlichen Umstände verhinderten eine Serienfertigung. Wie viele dieser frühen Muster wurde auch dieses Einzelstück ausschließlich für interne Zwecke gebaut: zur Beurteilung von Form, Proportionen und technischer Machbarkeit. Es blieb ein faszinierender Entwurf, der nie in den Katalog aufgenommen wurde.

Quelle: auf Ebay stand kürzlich eine Hehr BR18 zum VErkauf
Erst Jahrzehnte später griff Bernhard Hehr, einer der bedeutendsten Hersteller hochwertiger Repliken klassischer Märklin‑Modelle, diese Idee wieder auf. In den 1980er‑Jahren fertigte er eine kleine Serie der BR 118, die sich eng am historischen Handmuster orientierte. Hehrs Modelle waren bekannt für ihre handwerkliche Präzision, ihre massiven Metallgehäuse und ihre Nähe zum historischen Vorbild. Die BR 118 zählt bis heute zu den begehrtesten Repliken seines Programms – nicht zuletzt, weil sie eine Lücke schließt, die Märklin selbst nie gefüllt hat.

Das originale Märklin‑Handmuster hat überlebt und befindet sich heute im Märklineum in Göppingen, wo es als Teil der historischen Sammlung ausgestellt ist. Im Sommer 2025 bot sich die seltene Gelegenheit, dieses außergewöhnliche Stück aus nächster Nähe zu betrachten und zu fotografieren. Die Lok zeigt eindrucksvoll, wie weit Märklin bereits in den 1930er‑Jahren in der Gestaltung moderner Elektrolokomotiven gedacht hat: klare Linien, elegante Proportionen und ein Erscheinungsbild, das seiner Zeit voraus war.
Die BR 118 steht damit sinnbildlich für ein spannendes Kapitel der Modellbahngeschichte. Sie verbindet die Kreativität und Experimentierfreude der Märklin‑Konstrukteure der Vorkriegszeit mit der Leidenschaft und Präzision der Kleinserienhersteller der 1980er‑Jahre. Für Sammler ist sie ein Traumobjekt – selten, historisch bedeutsam und mit einer Geschichte, die weit über das eigentliche Modell hinausreicht.