Die „Kreuzspinne“ war eine außergewöhnliche Dampflok der sächsischen Staatsbahn, die später als Baureihe 98.0 bei der Deutschen Reichsbahn geführt wurde. Sie erhielt ihren Spitznamen wegen ihrer ungewöhnlichen Bauweise mit zwei drehbaren Triebdrehgestellen nach dem Meyer-System – eine Konstruktion, die sie besonders beweglich machte und für enge Radien und steile Strecken prädestinierte.

Rivarossi Kreuzspinne Quelle:richardo.ch
Historischer Hintergrund
Baujahre: 1910–1914 durch die Sächsische Maschinenfabrik Hartmann in Chemnitz
Anzahl: 19 Stück, von der DRG als 98 001–015 eingereiht
Leistung: ca. 400 kW (540 PSi)
Höchstgeschwindigkeit: 50 km/h
Besonderheit: Bauart Meyer mit zwei Triebdrehgestellen – selten im Normalspurbereich, da die flexiblen Dampfzuleitungen störanfällig waren
Einsatzgebiet: Vor allem die Windbergbahn bei Dresden, wo die Lok den Beinamen „Windbergheddel“ erhielt. Beim Personal war sie als „Heuwender“ oder „Kreuzspinne“ bekannt.
Eine Lok, die bis heute überlebt hat, ist die 98 001, die im Industriemuseum Chemnitz ausgestellt ist.
Modelle in Spur H0
Die Kreuzspinne hat auch im Modellbau ihre Spuren hinterlassen:
Rivarossi brachte ab den 1970er‑Jahren die BR 98.009 als H0‑Modell heraus – filigran, aber mit schwacher Antriebstechnik.
Gützold produzierte später deutlich detailliertere Modelle, auch mit Digitaloptionen.
Heute sind beide Varianten begehrte Sammlerstücke, besonders die Gützold‑Ausführungen mit hoher Detailtreue.
Die BR 98 „Kreuzspinne“ ist ein faszinierendes Beispiel für technische Experimente im frühen 20. Jahrhundert. Ihre ungewöhnliche Bauweise machte sie einzigartig im deutschen Lokomotivbau. Im Modell lebt sie weiter – als Rarität für Sammler und als Erinnerung an die besondere Atmosphäre der sächsischen Lokalbahnen.